Pedigree richtig lesen
Ein Pedigree verbindet Abstammung, Stammdaten, Zuchtwerte und Leistungsinformationen. Entscheidend ist, jeden Wert im richtigen Tierblock zu lesen und die Vater- und Mutterseite systematisch zu verfolgen.
Das Musterpedigree interaktiv erklärt
Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die markierten Bereiche. Auf Tablet und Smartphone können die Bereiche angetippt werden. So wird direkt am Muster sichtbar, welche Abkürzung oder Zahlenreihe wofür steht.
Jeder Wert gehört nur zu dem Tierblock, in dem er steht. Zuchtwerte, Leistungsdaten und Bewertungen dürfen nicht über Trennlinien hinweg einem anderen Tier zugeordnet werden.
Die gelb markierten Bereiche liegen jetzt gezielt auf den einzelnen Werten. Mauszeiger, Tastaturfokus oder Antippen zeigt die Erklärung genau zu diesem Eintrag.
Abkürzungen und Werte ausführlich erklärt
Die folgenden Bereiche können einzeln aufgeklappt werden. Die Erläuterungen beziehen sich auf das gezeigte Musterpedigree; bei echten Zuchtbescheinigungen gelten die Definitionen des ausstellenden Verbandes.
So ist das Pedigree aufgebaut
Das Muster stellt oben den Zuchtbullen Musterhof Magnus PP dar. Links darunter folgen Vater Musterhof Atlas und Mutter Musterhof Alma. Rechts stehen die vier Großeltern VV Musterhof Bruno, VM Musterhof Bella, MV Musterhof Carlo und MM Musterhof Clara. Lesen Sie stets erst die Überschrift eines Blocks und danach nur dessen Werte. Wiederholte Kürzel können sich auf verschiedene Tiere beziehen.
So liest man die Generationen
Beginne mit dem Tier oben, prüfe dann die Vater- und Mutterseite getrennt und gehe erst anschließend zu den vier Großeltern. Dadurch lässt sich jeder Wert eindeutig einem Tier zuordnen.
Eine hohe Leistung eines Großelternteils ist nicht automatisch die Leistung des Enkels; Merkmale werden genetisch weitergegeben, Leistungen und Zuchtwerte sind aber getrennt zu lesen.
Zuchtbulle, Name und Geschlecht
Zuchtbulle bezeichnet das männliche Zuchttier, für das die Bescheinigung ausgestellt ist. „Musterhof Magnus“ ist sein Name; unmittelbar angehängte Buchstaben können zusätzliche Merkmale angeben. Aus Name oder Geschlecht allein lässt sich keine Zuchtleistung ableiten.
Identität vor Leistungsdaten
Name, Geschlecht, Kennnummer und Geburtsdatum gehören zusammen. Ein Namenszusatz wie PP betrifft den Hornstatus und nicht die Fleischleistung.
Zwei Tiere mit ähnlichem Namen können unterschiedliche Kennnummern haben. Für eine Anpaarungsentscheidung immer die eindeutige Tieridentität kontrollieren.
PP, Pp, P und PS – Hornstatus
PP bedeutet genetisch homozygot hornlos: Das Tier trägt nach der angegebenen Kennzeichnung zwei Hornlos-Allele. Pp bezeichnet heterozygot hornlos; P bedeutet phänotypisch hornlos, ohne dass damit der genaue Genotyp belegt ist. PS bezeichnet Wackelhorn bzw. Scurs. Ein Sternchen oder andere Zusätze können eine gesonderte genetische Untersuchung kennzeichnen; maßgeblich ist die Legende des ausstellenden Verbandes. Im Beispiel steht „Magnus PP“.
Die Buchstaben einzeln lesen
PP weist auf reinerbig hornlos, Pp auf mischerbig hornlos und P auf einen hornlosen Phänotyp ohne gesicherte Unterscheidung des Genotyps hin. PS oder Scurs können auf Wackelhörner hinweisen; Verbandsnotationen unterscheiden sich.
Ein mit PP bezeichnetes Tier sollte nicht ohne Abgleich mit der genetischen Untersuchung und den Verbandsregeln als sicher DNA-getestet eingestuft werden.
DE-Nummer / Zuchtbuchnummer
Die Nummer „DE 00 000 00001“ ist im Muster eine beispielhafte Identifikations- bzw. Zuchtbuchnummer. Sie dient der eindeutigen Zuordnung des Tieres zu seinen Registrierungsdaten und ist nicht etwa ein Zuchtwert oder DNA-Ergebnis. Zum Abgleich immer Nummer, Name und Geburtsdatum zusammen betrachten.
Warum die Nummer entscheidend ist
Die DE-Kennung hilft, Stammdaten, Abstammung und Untersuchungsergebnisse auseinanderzuhalten. Sie ist ein Identifikator, kein Ranking.
Im gezeigten Pedigree sind die Nummern Musterangaben, keine echten Tieridentitäten.
Geburtsdatum, Rasse AA und Farbe
15.03.2024 ist das Geburtsdatum des Mustertieres. „AA“ bezeichnet im Beispiel Aberdeen Angus. „schwarz“ nennt die dokumentierte Fellfarbe; die Fellfarbe ist weder eine Aussage zum Hornstatus noch ein eigener Leistungswert. Kürzel und Rassebezeichnungen sind im jeweiligen Zuchtprogramm zu prüfen.
Jede Stammdatenangabe hat eine eigene Funktion
Das Datum ordnet Alter und Entwicklungsstadium ein; AA steht hier für Aberdeen Angus und die Farbangabe dokumentiert die äußere Färbung.
Weder Fellfarbe noch Geburtsdatum ersetzen die Leistungserfassung oder genetische Beurteilung.
DNA-SNP und Q:1
SNP steht für Single Nucleotide Polymorphism: Bei der SNP-Typisierung werden genetische Marker zur Identifizierung beziehungsweise Abstammungsprüfung verwendet. Die angezeigte Ziffernfolge ist hier eine Musternummer, keine Zuchtbuchnummer. „Q:1“ steht im gezeigten Muster als zusätzlicher Kennzeichnungswert. Seine konkrete Definition ist aus dem Bild allein nicht sicher ableitbar; daher nicht als Qualitätsstufe oder überprüfte Abstammung deuten, ohne die Legende des Ausstellers zu kennen.
Was eine SNP-Typisierung aussagt
SNP-Analysen untersuchen zahlreiche Stellen im Erbgut. Daraus können Identitäts- und Abstammungsabgleiche möglich werden – je nachdem, welche Prüfung beauftragt wurde.
Q:1 lässt sich ohne Legende des ausstellenden Systems nicht seriös übersetzen. Es sollte nicht als bestätigte Qualitätsklasse erklärt werden.
Zuchtstufe Herdbuch A
„Herdbuch A“ bezeichnet eine Eintragung in die entsprechende Abteilung des Zuchtbuchs. Welche Abstammungs- und Leistungsanforderungen hierfür gelten, steht im Zuchtprogramm des jeweiligen Verbandes. Die Zuchtbuchabteilung sagt nicht unmittelbar aus, wie hoch RZF, RZL oder die tatsächliche Leistung eines Tieres sind.
Herdbuchstatus und Zuchtwert unterscheiden
Der Eintrag verweist auf die registerrechtliche Zuchtbuchabteilung nach dem jeweils geltenden Zuchtprogramm. Die Voraussetzungen betreffen insbesondere Abstammung und Aufnahmebedingungen.
Ein Eintrag in Herdbuch A bedeutet nicht automatisch überdurchschnittliche Eigenleistung oder hohen RZF.
RZF – Relativzuchtwert Fleisch
RZF bündelt züchterisch relevante Merkmale der Fleischleistung. In den üblichen RZF-Systemen fließen unter anderem Informationen zur täglichen Zunahme, Bemuskelung und maternalen Aufzuchtleistung ein. Als relativer Zuchtwert wird er um einen definierten Bezugsdurchschnitt dargestellt, häufig 100; ein höherer Wert zeigt eine günstigere genetische Einschätzung im jeweiligen System, jedoch keine Garantie für das Einzeltier. Im Muster: Magnus 115, Vater Atlas 118 und Mutter Alma 108. Zuchtwerte nur bei vergleichbarer Schätzgrundlage vergleichen.
Was 115 wirklich bedeutet
RZF 115 ist eine relative Schätzung zur genetischen Fleischleistungsveranlagung auf einer festgelegten Bezugsbasis. Bei einem Durchschnitt von 100 liegt der Schätzwert um 15 Indexpunkte darüber; das bedeutet nicht 15 Prozent mehr Fleisch oder Gewicht.
Vergleiche nur Zuchtwerte aus derselben gültigen Schätzung und berücksichtige die Sicherheit Si %.
RZL – Relativzuchtwert Zuchtleistung
RZL beschreibt die geschätzte genetische Veranlagung für reproduktionsbezogene Merkmale. Je nach gültigem Zuchtwertschätzsystem gehen beispielsweise Zwischenkalbezeit, Kalbeergebnisse und Anzahl der Kalbungen ein. Er ist kein direkt gemessener Fruchtbarkeitswert und nicht mit der beobachteten ZKZ einer einzelnen Kuh gleichzusetzen. Im Muster: Magnus 104, Atlas 101, Alma 109.
Schätzwert statt beobachteter Kalbezahl
RZL 104 bedeutet im Muster eine leicht über dem Referenzmittel von 100 liegende genetische Bewertung für Zuchtleistungsmerkmale. Welche Merkmale und Gewichte eingehen, ist vom Zuchtwertschätzverfahren abhängig.
RZL nicht mit EKA, ZKZ oder der tatsächlichen Zahl der Kalbungen verwechseln.
Si % – Sicherheit des Zuchtwertes
„Si %“ gibt die statistische Sicherheit beziehungsweise Zuverlässigkeit eines unmittelbar zugehörigen geschätzten Zuchtwertes an. Beispiel Magnus: RZF 115 mit Si 65 %; RZL 104 mit Si 32 %. Der Zahlenwert selbst und seine Sicherheit sind zwei unterschiedliche Angaben. 65 % heißt ausdrücklich nicht, dass mit 65%iger Wahrscheinlichkeit das Tier gut vererbt; eine geringere Sicherheit bedeutet mehr Schätzunsicherheit. Die Si-Werte nie zwischen RZF und RZL vertauschen.
Zwei Zahlen, zwei Fragen
RZF 115 beantwortet die Frage nach dem geschätzten genetischen Niveau, Si 65 % die Frage nach dessen statistischer Absicherung. Für RZL 104 und Si 32 % gilt dieselbe getrennte Lesart.
Si 65 % ist keine 65-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein Kalb ein gutes Ergebnis erreicht.
EL – Eigenleistung: Geburtsgewicht
EL – die Eigenleistung des Tieres
Die Eigenleistung beschreibt, wie sich das Tier unter den konkreten Bedingungen seines Aufzuchtbetriebes entwickelt hat. Dazu gehören Geburtsgewicht und Gewichtsentwicklung bis zu standardisierten Alterszeitpunkten.
Originalangaben Magnus: EL 36 kg · 110 % / 1380 g / 12 · 113 % / 1290 g / 10
36 kg – das Geburtsgewicht
Magnus wog bei seiner Geburt 36 kg. Geburtsgewicht ist für die Einschätzung des Kalbeverlaufs wichtig. Ein höheres Geburtsgewicht kann das Risiko für Schwergeburten erhöhen, besonders bei Erstkalbinnen; entscheidend sind zusätzlich Beckenmaße der Mutter, Kalbeform, Genetik und Haltung.
Das niedrigstmögliche Geburtsgewicht ist kein sinnvolles Einzelziel. Vitalität, Geburtsverlauf und späteres Wachstum sollten gemeinsam bewertet werden.
200 Tage: 110 % / 1380 g / 12
110 % – relativer Vergleich
Bei einem Bezugswert von 100 liegt 110 % rechnerisch 10 % über dieser Vergleichsbasis. Maßgeblich ist, wie der ausstellende Verband die Vergleichsgruppe definiert; es ist kein pauschaler Vergleich mit allen Angus-Rindern.
1380 g – tägliche Zunahme
1380 Gramm entsprechen 1,38 Kilogramm pro Tag. Je nach Ausweissystem kann eine Lebenstagszunahme oder eine andere standardisierte Zunahme gemeint sein; die verbindliche Definition muss aus der Legende hervorgehen.
12 – zusätzlicher Kennwert
Die letzte Zahl 12 ist im Muster nicht eindeutig beschrieben. Da reguläre Bewertungsnoten für Bemuskelung häufig von 1 bis 9 reichen, darf sie ohne Verbandslegende nicht als gesicherte Bemuskelungsnote bezeichnet werden.
365 Tage: 113 % / 1290 g / 10
113 % liegt bei der Bezugsbasis 100 rechnerisch um 13 % darüber. 1290 g entsprechen 1,29 kg pro Tag. Auch die letzte Zahl 10 muss aus der Originallegende erklärt werden; sie ist nicht automatisch eine Note oder Tieranzahl.
Die 200-Tage-Leistung zeigt besonders die Entwicklung in der Säuge- und Aufzuchtphase, die 365-Tage-Leistung das weitere Wachstum. Ernährung, Haltungsbedingungen, Gesundheit und Alter beeinflussen beide Ergebnisse; EL ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einem genetischen Zuchtwert.
EL – 200-Tage-Leistung
Die erste zeitbezogene EL-Reihe gehört im Muster zur 200-Tage-Wiegung beziehungsweise auf diesen Zeitpunkt bezogenen Leistung. „110 % / 1380 g / 12“ bei Magnus bedeutet hier 110 % relativer Leistungswert, 1.380 g durchschnittliche tägliche Zunahme und einen zusätzlichen im Muster als Bemuskelungsnote bezeichneten Wert 12. Die Prozentangabe wird relativ zu einer Vergleichsbasis ermittelt; 110 % heißt nicht, dass das Tier 110 % seines Sollgewichts wiegt. Da übliche Einstufungsnoten 1–9 reichen, darf „12“ ohne Originallegende nicht als gesicherte Standard-Bemuskelungsnote gelesen werden.
Die drei Angaben getrennt lesen
Magnus: 110 % / 1380 g / 12. 110 % bezeichnet einen relativen Vergleichswert; bei einer Vergleichsbasis von 100 entspricht das zehn Prozent über deren Mittel. 1380 g entspricht einer angegebenen täglichen Zunahme von 1,38 kg. Die Endziffer 12 ist ohne Originallegende nicht eindeutig zuzuordnen.
Der Prozentwert betrifft die Vergleichsbasis des jeweiligen Ausweises, nicht automatisch alle Angus-Rinder. Die 12 nicht als reguläre Note der 1–9-Skala ausgeben.
EL – 365-Tage-Leistung
Die zweite zeitbezogene EL-Reihe gehört zur 365-Tage-Leistung. Bei Magnus stehen „113 % / 1290 g / 10“. Das sind im Muster der relative Leistungswert, die durchschnittliche tägliche Zunahme und ein weiterer Zusatzwert. Auch „10“ ist wegen der üblichen Notenskala 1–9 nicht ohne gesonderte Legende als klassische Bemuskelungsnote gesichert. 200- und 365-Tage-Ergebnisse sind getrennte Auswertungen, keine fortlaufende Addition.
Die Entwicklung als Jährling
Magnus: 113 % / 1290 g / 10. Der relative Vergleichswert liegt um 13 Prozentpunkte über 100; 1290 g sind 1,29 kg je angegebenem Tag. Die 10 ist ein weiterer, im Muster nicht belegter Zusatzwert.
365-Tage-Werte ergänzen die 200-Tage-Werte; sie sind nicht miteinander zu addieren. Fütterung, Gesundheit und Haltungsbedingungen beeinflussen das Ergebnis.
g, kg und % – Einheiten richtig lesen
kg bezeichnet das Gewicht, zum Beispiel das Geburtsgewicht. g bezeichnet in den gezeigten EL-/NL-Reihen die durchschnittliche tägliche Gewichtszunahme in Gramm pro Tag, nicht das Gesamtgewicht. % beschreibt die relative Leistung zur jeweiligen Vergleichsgruppe oder Betriebsbasis. Ein Zahlenwert „1380 g“ ist daher anders zu interpretieren als „36 kg“ oder „110 %“.
Nicht dieselbe Messgröße
36 kg bezeichnet ein Gewicht; 1380 g in einer Zunahme-Spalte entspricht 1,38 kg pro Tag; 110 % ist ein relatives Leistungsverhältnis. Für Prozentangaben ist die konkrete Vergleichsgruppe entscheidend.
Ein g-Wert darf nicht als Endgewicht des Tieres gelesen werden.
NL – Nachkommenleistung allgemein
NL bezieht sich auf gemessene Leistungen von Nachkommen des jeweiligen Tieres und ist nicht mit seiner Eigenleistung EL zu verwechseln. Die alleinstehende kg-Angabe im Beispiel nennt das durchschnittliche Geburtsgewicht der erfassten Nachkommen, beispielsweise Vater Atlas NL 37 kg. Die weiteren Reihen unterscheiden männliche und weibliche Nachkommen. Aussagekraft und Vergleichbarkeit hängen von Anzahl, Alter, Erfassung und Auswertung der Nachkommen ab.
Was Nachkommenleistung ergänzt
NL sammelt beobachtete Ergebnisse der Nachkommen. Sie kann Hinweise auf die Leistung unter mehreren Aufzuchtbedingungen liefern, muss aber im Zusammenhang mit Zahl und Vergleichbarkeit der Nachkommen gelesen werden.
Eigene EL-Werte des Elterntieres und NL-Werte seiner Nachkommen sind unterschiedliche Datenquellen.
NL bei Bullen – Tierzahl und Tageszunahme
Bei Atlas bedeutet „NL männlich 18 / 1390 g“ im gewählten Muster: 18 männliche Nachkommen und 1.390 g durchschnittliche tägliche Zunahme. „NL weiblich 15 / 1210 g“ bezeichnet 15 weibliche Nachkommen und 1.210 g tägliche Zunahme. Bei VV Bruno stehen 28 / 1408 g und 24 / 1186 g, bei MV Carlo 21 / 1365 g und 19 / 1188 g. Zahl der Nachkommen und Grammwert dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Beispiel Atlas
NL männlich 18 / 1390 g: 18 berücksichtigte männliche Nachkommen mit einer angegebenen Tageszunahme von 1390 g. NL weiblich 15 / 1210 g: 15 weibliche Nachkommen mit 1210 g.
Die Zahl vor dem Schrägstrich bezeichnet hier die Nachkommenanzahl – nicht den Prozentvergleich.
NL bei Kühen – relative Leistung und Tageszunahme
Die gezeigte Musterform verwendet bei weiblichen Vorfahren jeweils einen Prozentwert plus Grammwert für männliche und weibliche Nachkommen: Alma männlich 108 % / 1320 g, weiblich 105 % / 1170 g. Bei Bella: 105 % / 1335 g und 102 % / 1217 g; bei Clara: 102 % / 1264 g und 98 % / 1138 g. Das Prozentmaß ist relativ; der Grammwert bezeichnet eine Tageszunahme. Ein Prozentwert ist nicht automatisch eine Nachkommenanzahl.
Beispiel Alma
NL männlich 108 % / 1320 g und weiblich 105 % / 1170 g. Hier steht vor dem Schrägstrich ein Prozentvergleich und keine Tieranzahl. Die Grammangaben beschreiben die dokumentierte Zunahme.
Spaltenüberschrift und Geschlecht beachten: ähnliche Zahlenkombinationen können bei Bullen anders definiert sein als bei Kühen.
Kör. – Körung von Bullen
„Kör.“ kennzeichnet im Muster die im Rahmen der Körung dokumentierte Bewertung eines Bullen. Die Dreierfolge wird als Typ / Bemuskelung / Skelett gelesen. Beispiel Atlas 8/9/8: Typ 8, Bemuskelung 9 und Skelett 8. VV Bruno und MV Carlo haben jeweils 8/8/8. Die Körung ist eine Beurteilung zu einem bestimmten Zeitpunkt; sie ist nicht identisch mit dem geschätzten Zuchtwert RZF.
Drei Einzelnoten statt einer Summe
Atlas Kör. 8/9/8: Typ 8, Bemuskelung 9, Skelett 8. Es ist eine lineare bzw. schematische Beschreibung des Erscheinungsbildes zum Beurteilungszeitpunkt.
Eine gute Körnote ist kein Ersatz für Zuchtwerte, Fruchtbarkeit oder Nachkommenprüfung.
Typ, Bemuskelung und Skelett – was wird bewertet?
Typ beurteilt den Gesamteindruck im Hinblick auf die rassentypischen Merkmale. Bemuskelung beschreibt die erkennbare Muskelausprägung insbesondere an wirtschaftlich wichtigen Körperpartien. Skelett bewertet Fundament und Körperbau. Üblich ist die Notenskala 1 bis 9; dabei stehen höhere Noten für die bessere Beurteilung im jeweiligen Merkmal. Eine Dreierfolge ist keine Rechnung und kein Durchschnittswert.
Was die Beurteilung beschreibt
Typ meint Rasseausprägung und Gesamteindruck; Bemuskelung sichtbare Muskelfülle; Skelett den Rahmen und korrekten Körperbau. Die üblichen Noten 1 bis 9 werden pro Merkmal getrennt gelesen.
Die drei Noten sind nicht als eine dreistellige Zahl oder Prozentfolge zu interpretieren.
Tierbewertung und Rahmen G / M / K
Bei weiblichen Tieren ergänzt im Muster ein Buchstabe die drei Merkmalsnoten. Mutter Alma „8/8/8 M“ bedeutet Typ 8, Bemuskelung 8, Skelett 8, Rahmen mittel. Vatersmutter Bella „8/8/7 G“ bedeutet Rahmen groß. Muttersmutter Clara „8/8/7 M“ bedeutet Rahmen mittel. K bedeutet klein. Die Rahmeneinstufung ist keine vierte Ziffer und nicht mit der Zuchtbuchabteilung zu verwechseln.
Die Buchstaben nach den Noten
Alma 8/8/8 M bedeutet drei Bewertungsnoten plus Rahmenklasse M für mittel. Bella 8/8/7 G: G steht für groß. K wird für klein verwendet.
G, M und K sind Rahmenkategorien und nicht Zuchtbuchklassen.
KZW – Körzuchtwert
KZW ist der zum Zeitpunkt der Körung dokumentierte Körzuchtwert. Im Muster Atlas 116, VV Bruno 113 und MV Carlo 110. In entsprechenden RZF-Rassen wird dafür häufig der zum Körzeitpunkt gültige Zuchtwert herangezogen. Ein historischer KZW kann vom aktuell angegebenen RZF abweichen, weil der Bewertungszeitpunkt beziehungsweise die Datengrundlage anders ist.
Zeitpunkt der Körung zählt
Bei Atlas steht KZW 116, bei Bruno 113 und bei Carlo 110. Solche Werte werden für den Körzeitpunkt dokumentiert und können auf einer damaligen Zuchtwertschätzung beruhen.
Ein historischer KZW darf nicht unbesehen einem aktuellen RZF gleichgesetzt werden.
EKA – Erstkalbealter
EKA bezeichnet das Alter einer Kuh bei ihrer ersten Kalbung in Monaten. Im Muster Alma und Bella jeweils 25 Monate, Clara 26 Monate. EKA ist eine tatsächlich dokumentierte Reproduktionsangabe; sie wird nicht als Prozentwert angegeben. Die züchterische Einordnung hängt von Rasse, Betrieb und Management ab.
Kalenderangabe in Monaten
Alma EKA 25 bedeutet: Die erste Kalbung fand im Alter von 25 Monaten statt. Bella ebenfalls 25, Clara 26 Monate.
Ein niedriges Erstkalbealter allein zeigt noch nicht, ob Aufzucht, körperliche Entwicklung und Kalbeergebnis passend waren.
ZKZ – Zwischenkalbezeit
ZKZ bezeichnet den zeitlichen Abstand zwischen zwei Kalbungen, üblicherweise in Tagen. Im Muster Alma 366 Tage, Bella 365 Tage und Clara 370 Tage. Häufig wird ein Durchschnitt mehrerer Abkalbeintervalle angegeben. Ein ZKZ-Wert allein lässt keine vollständige Aussage über Fruchtbarkeit oder Herdenmanagement zu.
Abstand zwischen zwei Kalbungen
Alma ZKZ 366: Zwischen zwei Kalbungen lagen im angegebenen Auswertungswert 366 Tage. Bella liegt bei 365, Clara bei 370 Tagen.
Die Aussage hängt von der Zahl der betrachteten Kalbungen und dem Erfassungszeitraum ab.
KK – Kalbungen und Kälber
Die Musterzeichnung nutzt drei Werte: Alma KK 5/5/4, Bella 8/8/7 und Clara 9/9/7. Die im Muster verwendete Lesart lautet Kalbungen / lebend geborene Kälber / aufgezogene Kälber. In vielen realen Verbandsunterlagen ist KK beziehungsweise K/K jedoch nur zweistellig als Kalbungen / lebend geborene Kälber definiert. Deshalb die dritte Zahl nur dann als Aufzuchtergebnis lesen, wenn der Aussteller diese Definition bestätigt; andernfalls ist die konkrete Schreibweise erklärungsbedürftig.
Dreierfolge im Muster
Alma KK 5/5/4: Im hier angenommenen Musterleseschlüssel fünf Kalbungen, fünf lebend geborene und vier aufgezogene Kälber. Für Bella steht 8/8/7, für Clara 9/9/7.
Eine solche Dreierfolge ist nicht allgemeingültig. Real wird KK teils zweistellig ausgewiesen; die dritte Zahl nur mit offizieller Legende verbindlich interpretieren.
VV, VM, MV, MM – Großeltern eindeutig zuordnen
VV = Vatersvater (Bruno), VM = Vatersmutter (Bella), MV = Muttersvater (Carlo), MM = Muttersmutter (Clara). Die erste Stelle bezeichnet die Elternseite des Mustertieres, die zweite das Geschlecht beziehungsweise die Elternrolle in der nächsten Generation. Beispiel MV ist der Vater der Mutter, nicht der Vater des Vaters. Jeder Block besitzt eigene Kör-, Leistungs- oder Fruchtbarkeitsdaten.
Die Kurzzeichen herleiten
VV ist der Vater des Vaters, VM die Mutter des Vaters, MV der Vater der Mutter und MM die Mutter der Mutter. Im Muster: Bruno, Bella, Carlo und Clara.
Diese Kürzel beschreiben die Position im Stammbaum, nicht einen genetischen Messwert.
Züchter und Besitzer
„Züchter“ benennt den für die Zucht beziehungsweise Herkunft eingetragenen Betrieb oder die Person. „Besitzer“ benennt den ausgewiesenen Eigentümer oder Halter nach dem verwendeten Formularstand. Beides muss nicht dieselbe Person sein; die Angaben ersetzen keine amtliche Tierkennzeichnung oder einen aktuellen Eigentumsnachweis.
Rollen im Ausweis auseinanderhalten
Züchter benennt die für die Zucht bzw. Geburt dokumentierte Person oder den Betrieb; Besitzer die zum dokumentierten Zeitpunkt eingetragene haltende bzw. besitzende Stelle nach dem jeweiligen Register.
Züchter und Besitzer können identisch sein, müssen es aber nicht.
BHV1, HB und ZI – Verwaltungskennzeichnungen
BHV1 steht im Rinderkontext häufig für das Bovine Herpesvirus Typ 1 beziehungsweise den IBR/IPV-Status; ob dies hier ein Gesundheitsstatus, Prüfhinweis oder lediglich ein Formularfeld ist, lässt sich am Muster allein nicht erkennen. HB wird häufig als Herdbuch verstanden. ZI ist ohne die Legende des konkreten Ausstellers nicht eindeutig zuzuordnen. Aus der bloßen Anzeige „BHV1 / HB / ZI“ dürfen keine Gesundheits- oder Prüfbescheinigungen abgeleitet werden.
Gesundheit, Herdbuch und Zusatzkürzel
BHV1 steht im Rinderbereich für Bovines Herpesvirus 1; welche Aussage das Feld konkret macht, hängt von Prüfdatum und Statusformulierung ab. HB kann auf Herdbuchangaben verweisen. Für ZI benötigt man die Legende.
Ein einzelnes Kürzel ohne Datum, Eintrag und Legende ist kein vollständiger Gesundheits- oder Zuchtstatus.
Vet.-Amt und weitere Behördenangaben
„Vet.-Amt“ ist die Abkürzung für Veterinäramt. Solche Angaben können die zuständige Behörde beziehungsweise eine Verwaltungsstelle bezeichnen. Im vorliegenden Muster ist kein verifizierbarer konkreter Behördeneintrag enthalten. Ob Stempel, Kontrollen oder Bescheinigungen vorliegen, muss am Originaldokument überprüft werden.
Was die Verwaltungszeile leistet
Vet.-Amt verweist üblicherweise auf veterinärbehördliche Zuordnung. Solche Daten helfen beim Verständnis von Registrierung, Überwachung oder Bescheinigungsherkunft.
Die Nennung einer Behörde garantiert nicht automatisch einen bestimmten aktuellen Gesundheitsstatus.
Was das Muster zeigt – und was nicht
Die Abbildung ist ein didaktisches Musterpedigree mit fiktiven Namen und Kennnummern. Seine gezeigten Werte sind Beispiele und keine geprüften amtlichen Zuchtdaten. Die Hotspots decken die sichtbaren Eintragsgruppen einschließlich Fußzeile ab. Ungeklärte Zusätze wie Q:1 und ZI sowie die 10-/12-Zusatzwerte in der EL-Reihe dürfen ohne Aussteller-Legende nicht verbindlich interpretiert werden.
Beispiel und echter Nachweis
Der Stammbaum demonstriert Aufbau, Positionen und typische Zahlenformate. Die genannten Tiere und Nummern sind Musterangaben. Für eine echte züchterische Beurteilung sind Originaldokument, Verbandssystem und aktuelle Auswertung maßgeblich.
Wo das Muster mehrdeutige Zusatzwerte enthält, ist eine Kennzeichnung der Unsicherheit fachlich korrekter als eine erfundene Definition.
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